DIN 16742 "Kunststoff-Formteile - Toleranzen und Abnahmebedingungen"
   wird zur ISO 20457 weiterentwickelt - ein "Hobby" von Dirk Falke vom IBF

Warum "Hobby"? - Normarbeit am DIN ist reines Ehrenamt! Dirk Falke hat seit 1994 viel Herzblut in diese Thematik gesteckt. Dieses Engagement zahlt sich in der prog-nostisch 2018 erscheinenden ISO Norm 20457 bald auch international aus.

Seit Oktober 2013 steht also die DIN 16742 "Kunststoff-Formteile- Toleranzen und Abnahmebedingungen" der Öffentlichkeit zur Verfügung. Diese findet zwischenzeitlich eine breite Anwendung. Fachlich fundiert tätige Kunststoffanwender, Kunststoffverarbeiter und Werkzeugmacher schätzen die fachliche Unterstützung ihrer Arbeit durch diese Norm. Dennoch ist es nur eine deutsche Norm, was bei der heutigen internationalisierten Tätigkeit nur bedingt hilft. Komponenten werden in verschiedenen Ländern, oft auch auf verschiedenen Kontinenten produziert und müssen natürlich passen. Auch werden viele Produkte zeitgleich an mehreren Orten auf der Welt hergestellt und passen leider oft unterschiedlich gut. Das kann heute nicht das Maß der Dinge sein.

Durch die Herausgabe der Norm in deutscher und englischer Sprache und dem Fakt, dass es auf der Welt kaum etwas Vergleichbares gibt, findet die Norm weltweit auch jetzt schon eine weit verbreitete Anwendung, obwohl es bis jetzt nur eine deutsche Norm ist. Dies erleichtert die Arbeit in der zuständigen Workgroup. Deutschland hat drei Vertreter in das internationale Gremium entsandt. Das sind der Obmann des am DIN zuständigen Arbeitsausschusses Dirk Falke vom Ingenieurbüro Falke, der stellvertretende Obmann Friedhelm Panick, QS-Leiter bei Pöppelmann und über lange Zeit der Leiter des Toleranzmanagement beim Daimlerkonzern Dr. Martin Bohn. Hier fügt sich Fachwissen aus verschiedenen Bereichen zusammen.

Dennoch ist die Arbeit der ISO/TC 61/Workgroup 3 nicht immer einfach. 29 in der ISO organisierte Länder haben sich für die Mitarbeit in dieser Arbeitsgruppe angemeldet. Natürlich ist die Mitarbeit der einzelnen nationalen Normungsinstitute sehr unterschiedlich intensiv. Auch die entsendeten Vertreter haben einen unterschiedlich starken Bezug zum diskutierten Thema. Die DIN 16742 dient als Grundlage der fachlichen Diskussion. Auch wenn viele Punkte durchaus kontrovers diskutiert worden sind, so haben doch sehr viele fachliche Festlegungen der DIN Bestand und sind in die ISO übernommen worden. Leichte Anpassungen gab es bei wenigen Toleranzen der Tabellen 2 und 9. Hier wurde reagierend auf Kritik bezüglich der Geradlinigkeit mathematischer Kurven reagiert und Übergänge verschliffen. Dadurch ergeben sich minimale Abweichungen in der Toleranzgröße bei wenigen Maßen. Weiterhin sind einige eher redaktionelle Änderungen vorgenommen worden.

Der nationale Arbeitsausschuss, welcher die DIN 16742 erarbeitet hat, fungiert jetzt als fachliches Spiegelgremium mit dem Ziel der breiten fachlichen Grundlage. Dort wurde der aktuelle Stand des Entwurfs der ISO-Norm vorgestellt, diskutiert und ein Beschluss bezüglich des weiteren Vorgehens in Richtung einer DIN ISO bzw. einer DIN EN ISO verabschiedet. Der Entwurf der ISO-Norm befindet sich momentan in der zweiten internationalen Umfrage, in der alle ca. 150 im ISO organisierten Länder zu diesem Entwurf Stellung nehmen können. Auch diese Stellungnahmen werden dann wieder umfänglich bearbeitet. Als rein prognostischer Ausblick könnte die ISO-Norm Mitte 2018 herausgegeben werden.

Zum Schluss soll hier noch einmal Stellung zur der wiederholt gestellten Frage genommen werden, ob die DIN 16901 noch auf aktuellen Produktspezifikationen bzw. Zeichnungen verwendet werden darf. Normen haben empfehlenden Charakter und sind keine Gesetze. Diese dürfen angewendet werden, müssen aber nicht. Natürlich dürfen zurückgezogene Normen auch weiter angewendet werden. Ohne jeden Zweifel stellen aktuelle Normen den allgemein anerkannten Stand der Technik dar. Wer also nicht mehr aktuelle Normen zu seiner Arbeitsgrundlage erhebt, arbeitet nicht auf dem allgemein anerkannten Stand der Technik, sondern auf dem Stand vergangener Jahre. Bei einem eventuellen Streit hat dies natürlich eine Relevanz.

Dirk Falke führt zum Thema "Maßhaltigkeit von Kunststoff-Formteilen" zweitägige Schulungen durch. Diese werden vom Kunststoffzentrum in Leipzig, dem VDI in Stuttgart, der DIN-Akademie in Berlin und vom SKZ in Würzburg, jeweils für deren spezielle Zielgruppen, veranstaltet. Zusätzlich werden ca. 30 dieser Seminare als Inhouse-Schulung direkt in den am Thema Maßhaltigkeit interessierten Firmen durchgeführt. Weiterführend wird von den Kollegen Dr. Martin Bohn und Klaus Hetsch ein Seminar zum Thema Toleranzmanagement unter der Überschrift "Von der Funktion zur Toleranz" angeboten. In der konsequenten Anwendung beider Seminare lassen sich sehr erhebliche Kosten durch das funktionsorientierte Festlegen technologisch realistischer Toleranzen unter dem Motto "Lieber weniger, aber dafür die richtigen Toleranzen" einsparen.

Dirk Falke

24.01.2018
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