DIN ISO 20457 "Kunststoff-Formteile - Toleranzen und Abnahmebedingungen"
    wurde herausgegeben - die DIN 16742:2013-10 zurückgezogen

Im Februar 2020 wurde die DIN ISO 20457 mit dem Ausgabedatum März 2020 herausgegeben. Folglich wurde die DIN 16742 vom Oktober 2013 zeitgleich zurückgezogen. Zwischenzeitlich ist 2018 die ISO 20457 herausgegeben worden.
Die DIN ISO 20457:2020-03 ist die deutschsprachige Ableitung der ISO 20457. Fachlich konnte sich hier im Vergleich zur ISO 20457 kaum etwas ändern, da DIN ISO-Normen an die Vorgaben des "Originals", die ISO-Normen, gebunden sind. Es liegt in der Logik der Normen, dass mit der Herausgabe der DIN ISO 20457 die DIN 16742 zurückgezogen wird.

Dies ist aus zwei Gründen weniger spektakulär, als es zunächst klingen mag. Zum einen sind sich die Normen sehr ähnlich. Das Einstufungsprinzip zur Bestimmung der erreichbaren Kleinheit der Toleranz ist identisch. Zum zweiten sind Normen keine Gesätze. Die Anwendung von Normen ist freiwillig. Natürlich dürfen zurückgezogene Normen auch weiter angewendet werden. Ohne jeden Zweifel stellen aktuelle Normen den allgemein anerkannten Stand der Technik dar.

Seit Oktober 2013 steht die DIN 16742 "Kunststoff-Formteile- Toleranzen und Abnahmebedingungen" der Öffentlichkeit zur Verfügung. Diese findet zwischenzeitlich eine breite Anwendung. Fachlich fundiert tätige Kunststoffanwender, Kunststoffverarbeiter und Werkzeugmacher schätzen die fachliche Unterstützung ihrer Arbeit durch diese Norm.

Komponenten werden in verschiedenen Ländern, oft auch auf verschiedenen Kontinenten, produziert und müssen natürlich passen. Auch werden viele Produkte zeitgleich an mehreren Orten auf der Welt hergestellt und passen leider oft unterschiedlich gut. Das kann heute nicht das Maß der Dinge sein. Das Problem vieler Formteilzeichnungen, die auch als Formteilspezifikationen bezeichnet werden und somit Bestandteil des Werkliefervertrages sind, sind oft die völlige Überfrachtung mit Maßen, welche nicht unbedingt die Funktion der Bauteile sicherstellen. Aber genau das ist der einzige Grund für das Antragen von Maßen und Toleranzen.

Das zweite weit verbreitete Problem ist, dass Toleranzen auf Formteilzeichnungen stehen, welche unter den gegebenen Voraussetzungen, schlicht nicht zu halten, oft sogar auch nicht prozesssicher messbar sind. Hier entstehen oft schwierige Verhältnisse. Die Maße der Formteile liegen nicht innerhalb der Toleranz, erfüllen aber die Funktion. Diese Bauteile dürften somit weder ausgeliefert noch verbaut werden. Der OEM braucht aber Teile. Nach der GPS-Grundnorm der DIN EN ISO 8015 dürfte es diesen Zustand nicht geben. Ja und der Werkzeugmacher muss wiederholt die Stahlmaße ändern. In vielen Fällen werden allerdings die Kunststoff-Formteile dennoch nicht maßhaltiger.

Die DIN 16742 diente als Grundlage der fachlichen Diskussion. Auch wenn viele Punkte durchaus kontrovers diskutiert worden sind, so haben doch sehr viele fachli-che Festlegungen der DIN Bestand und sind in die ISO übernommen worden. Leichte Anpassungen gab es bei wenigen Toleranzen der Tabellen 2 und 9. Hier wurde reagierend auf Kritik bezüglich der Geradlinigkeit mathematischer Kurven reagiert und Übergänge verschliffen. Dadurch ergeben sich minimale Abweichungen in der Toleranzgröße bei wenigen Maßen. Weiterhin sind einige eher redaktionelle Änderungen vorgenommen worden. Der nationale Arbeitsausschuss, welcher die DIN 16742 erarbeitet hat, fungierte be-züglich der ISO 20457 als fachliches Spiegelgremium und ist für die DIN ISO 20457 verantwortlich. Dort wurde nun auch der Antrag auf die Herausgabe einer DIN EN ISO verabschiedet.

Dirk Falke führt zum Thema "Maßhaltigkeit von Kunststoff-Formteilen" zweitägige Schulungen durch. Diese werden vom Kunststoffzentrum in Leipzig, dem VDI in Stuttgart, der DIN-Akademie in Berlin und vom SKZ in Würzburg, jeweils für deren spezielle Zielgruppen, veranstaltet. Zusätzlich werden ca. 30 dieser Seminare als Inhouse-Schulung direkt in den am Thema Maßhaltigkeit interessierten Firmen durchgeführt. Weiterführend wird von dem Kollegen Dr. Martin Bohn ein Seminar zum Thema Toleranzmanagement unter der Überschrift "Von der Funktion zur Toleranz" angeboten. In der konsequenten Anwendung beider Seminare lassen sich sehr erhebliche Kosten durch das funktionsorientierte Festlegen technologisch realistischer Toleranzen unter dem Motto "Lieber weniger, aber dafür die richtigen Toleranzen" einsparen.

Dirk Falke

26.02.2020
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